Unterrichtshilfen für Lehrkräfte
zur schulischen Förderung von Kindern mit Dyskalkulie

Eine individuelle, schulische Förderung ist für Kinder mit Rechenstörung von entscheidender Bedeutung. Leider sehen nicht alle Bundesländer schulrechtliche Fördervorgaben für Kinder mit Dyskalkulie vor. Eigeninitiative und engagierter Einsatz von Eltern und Lehrkräften ist hier daher ganz besonders erforderlich.

Frühzeitige schulische Förderung ist ausschlaggebend

Die gewählten Förderansätze sollten sich immer am Alter des Kindes, dem Entwicklungsstand der mathematischen Kompetenzen sowie der Art und Ausprägung der Rechenstörung orientieren. Nachfolgende Schwerpunktbereiche mit den zugehörigen, evaluierten Trainingsprogrammen sind grundlegend:

„Grundsätzlich gilt es im Sinne der Leitlinie, möglichst frühzeitig Mathematikprobleme zu identifizieren und präventiv Fördermaßnahmen einzuleiten. Die Kriterien einer Rechenstörung müssen dabei noch nicht vollständig erfüllt sein. Eine frühzeitige Förderung bei Risikokindern wirkt sich positiv auf die Entwicklung der Mathematikkompetenz und die späteren schulischen Leistungen aus (Ennemoser et al., 2015; Honore & Noel, 2016; Maertens et al., 2016; Räsänen et al., 2009; Sella et al., 2016). Voraussetzung hierfür sind regelmäßige schulische Leistungserhebungen mit entsprechenden Verfahren, die die Hauptbereiche der Mathematik, insbesondere auch die Basiskompetenzen, erfassen. Verstärken sich die Probleme in Mathematik und/oder eine Diagnose der Rechenstörung nach ICD-10 wurde gestellt, so ist die Förderung gemäß dieser Leitlinie zu intensivieren (v. a. Einzelförderung). … Die höchsten Fördereffekte zeigten sich zwar in Einzelsitzungen, dennoch ist ohne bisherige Diagnose einer Rechenstörung auch eine Förderung in (gegebenenfalls leistungshomogenen) Kleingruppen möglich. Eine Förderung kann zusätzlich zum generellen Unterricht stattfinden oder, sofern möglich, den Mathematikunterricht zeitweise ersetzen. Die Gestaltung der Förderung orientiert sich dabei an der Situation des betroffenen Kindes. …“
Die gewählten Förderansätze sollten sich immer am Alter des Kindes, dem Entwicklungsstand der mathematischen Kompetenzen sowie der Art und Ausprägung der Rechenstörung orientieren. Nachfolgende Schwerpunktbereiche mit den zugehörigen, evaluierten Trainingsprogrammen sind grundlegend:

Empfohlene Förderansätze der mathematischen Basiskompetenz

Der Schwerpunkt der Förderung liegt hier auf dem Mengen- und Zahlenverständnis sowie der Zahlenkenntnis. Folgende Bestandteile sind wichtig:

  • Training und Automatisierung der Zähl- und Abzählfähigkeiten sowie Umgang mit Mengen- und Zahlrelationen
  • Strukturierung von kleinen Zahlenräumen und der Übergang vom Auszählen zum Rechnen

Geeignete Trainingsprogramme:

  • Wolfgang Moog & Andreas Schulz (2005). Zahlen begreifen. Diagnose und Förderung bei Kindern mit Rechenschwäche. Weinheim: Beltz Verlag.
  • Krajewski, K., Nieding, G. & Schneider, W. (2007). Mengen, zählen, Zahlen: Die Welt der Mathematik verstehen (MZZ). Berlin: Cornelsen.

Empfohlene Förderansätze für das arithmetische Faktenwissen

Obwohl der/die Schüler*in mathematische Prozeduren gut versteht, hat er/sie erhebliche Schwierigkeiten, arithmetische Fakten zu verinnerlichen und abzurufen. Für einfache Rechenaufgaben wird sehr viel Zeit benötigt, da grundlegende Rechenaufgaben nicht automatisch abgerufen und auf die Lösung komplizierterer Rechenwege angewendet werden können. Ein Blitztraining kann hier sehr hilfreich sein, um das Auswendiglernen und schnelle Abrufen arithmetischer Fakten zu üben.

Folgendes Programm zum Blitztraining wird empfohlen:

  • Programm mathe 2000. Klett Verlag.

Schulische Förderung auf Basis des Lehrplans

Sobald ein Kind mit Dyskalkulie ein gutes Mengen- und Zahlenverständnis erreicht hat, kann daran gearbeitet werden, dem Kind die selbstständige Bewältigung des Matheunterrichts zu ermöglichen. Curriculare Förderprogramme, die sich am konkreten Lehrplan und Schulstoff orientieren, sowie die Lernhilfen der Schulbuchverlage können hilfreich sein.
„Entscheidend für den Fördererfolg ist vor allem, dass die Person, die die Förderung durchführt, eine entsprechende Expertise im Bereich Rechenstörung besitzt. Dezidierte Lernstörungsexperten/innen spielen daher an Schulen eine wichtige Rolle. Einerseits fungieren sie als Ansprechpartner/in für Schüler/innen, Lehrer/innen, Therapeuten/innen sowie Eltern und andererseits sind sie gut mit den relevanten Stellen (z. B. Schulamt, Jugendamt, Kinder- und Jugendpsychiatrien) vernetzt. Eine enge Kooperation dieser Stellen sowie flexible schulische Fördermodelle (z. B. Fördergruppen in und außerhalb des Unterrichts, Lerntherapie statt Mathematikunterricht) können es der betroffenen Person ermöglichen, eine Mathematikkompetenz aufzubauen, um den Mathematikunterricht zukünftig wieder selbstständig bewältigen zu können.“ (S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung“)

Weitere Informationen finden Sie unter Förderung sowie in unseren BVL-Ratgebern.

 

 

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