Was sind die Ursachen einer Legasthenie?

Warum haben manche Kinder solche Probleme beim Erlernen von Lesen und Schreiben? Woher kommt es, dass sie sich damit viel schwerer tun als andere Kinder? Die Ursachen für eine Lese-Rechtschreibstörung liegen in einer komplexen Kombination mehrerer Faktoren.

Die Faktoren

Genetik

Hat ein Elternteil Legasthenie, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind selbst eine Lese- und/oder Rechtschreibstörung entwickelt, erhöht. Dieser Faktor allein verursacht jedoch nicht zwangsläufig eine Legasthenie beim Kind.

Neurobiologie

Forschungsergebnisse unterstützen die Annahme, dass bestimmte Prozesse im Gehirn bei Menschen mit Legasthenie anders ablaufen, als bei Menschen ohne Legasthenie. So zeigen sich beispielsweise bei Kindern, die später eine LRS entwickeln, oft schon früh Unterschiede bei der Verarbeitung von Sprache. Reize, die schnell aufeinander folgen, werden von Menschen mit LRS anders verarbeitet. Und auch beim Lesen und Schreiben selbst können mit Hilfe von bildgebenden Verfahren Abweichungen der Aktivitätsmuster beobachtet werden.

Kognition (Denk- und Wahrnehmungsprozesse)

Die veränderten neurobiologischen Prozesse von Menschen mit Legasthenie beeinflussen zudem einige kognitive Bereiche, die zwar keine direkte Grundlage für Lesen und Schreiben darstellen, jedoch trotzdem dafür relevant sind, wie zum Beispiel:

  • Arbeitsgedächtnis
  • Wahrnehmung und Verarbeitung von visuellen und auditiven Reizen und Informationen
  • Aufmerksamkeit

Außerdem wirken sie sich direkt auch auf Bereiche aus, die für den Erwerb von Schriftsprache erforderlich sind, sog. Vorläuferfertigkeiten. Diese sind unter anderem:

  • phonologische Bewusstheit (Bewusstheit über die lautliche Struktur der Sprache)
  • morphologische Bewusstheit (Bewusstheit über die Struktur von Wörtern und die Wortbildung)
  • Rapid Naming (Benennungsgeschwindigkeit als Maß dafür, wie schnell visuelle Symbole verbal benannt werden können)
  • Buchstabenkenntnis
  • Wortschatz

Mögliche Begleiterkrankungen und Folgeprobleme einer Legasthenie

LRS wird häufig von Komorbiditäten begleitet. Komorbiditäten sind Begleitschwierigkeiten oder –erkrankungen, die überzufällig häufig gemeinsam mit einer schon bestehenden Grundsymptomatik auftreten. Einige Komorbiditäten, wie zum Beispiel eine Schulangst, sind wahrscheinlich eine Folge der wiederholten Misserfolge, die Kinder mit LRS trotz großer Anstrengung leider häufig erleben müssen.

Komorbiditäten wirken sich meist ungünstig auf den Verlauf einer Lese-Rechtschreibstörung aus. Sie sollten daher frühzeitig erkannt und behandelt werden. Erkrankungen oder Schwierigkeiten, deren direkte Ursache eine Legasthenie ist, können bei rechtzeitiger und angemessener Unterstützung und Förderung des Kindes oft verhindert werden.

Häufige Komorbiditäten bei Legasthenie sind:

  • Dyskalkulie
  • ADHS
  • Angststörung
  • depressive Störung

 

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