Wie können Sie Ihr Kind unterstützen?

Der Rückhalt in der Familie ist für Ihr Kind besonders wichtig. Denn Sie als Eltern sind die engsten Bezugspersonen. Neben fundierter Information über Legasthenie und individueller Beratung möchte der BVL Ihnen Wissen und Tipps an die Hand geben, wie Sie Ihr Kind im Umgang mit seiner Legasthenie optimal unterstützen. Auch in Veranstaltungen, wie unseren Elternfortbildungen, bieten wir Ihnen Hilfe zur Selbsthilfe.

Im Elternratgeber über Legasthenie finden Sie weitere, ausführliche Informationen. 

Geben Sie Ihrem Kind alle wichtigen Informationen über Legasthenie

Je mehr Informationen und Perspektiven Ihr Kind erhält, umso besser kann es seine Legasthenie einordnen und selbstbewusst damit umgehen.

  • Erklären Sie Legasthenie als das, was es ist – eine Hürde und besondere Herausforderung, die zu nehmen ist.
  • Verdeutlichen Sie Ihrem Kind, dass es viele andere gibt, die das gleiche Problem haben und diese Lernbeeinträchtigung nichts mit seiner Intelligenz und seinen Begabungen zu tun hat. Geben Sie positive Beispiele für Menschen, die ebenfalls eine Legasthenie haben/hatten: wie zum Beispiel auch Albert Einstein.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind konkrete positive Perspektiven auf – wie Sie als Familie mit Unterstützung durch die Schule, Lehrer und Therapeuten das Problem angehen werden.

Nehmen Sie den Druck raus

Machen Sie der Überforderungsspirale und Versagensängsten gleich zu Hause ein Ende und achten Sie darauf, dass die Legasthenie Ihres Kindes nicht zum Hauptthema in der Familie wird.

  • Es wird ein längerer Weg, den die Familie gemeinsam geht – kurzfristige Erfolge werden nicht erwartet.
  • Die Erfolge zählen, und Misserfolge gehören für uns alle zum Leben dazu.
  • Spielerisches Lernen: Geeignete Gesellschaftsspiele, die für die Buchstabierfähigkeit förderlich sind (zum Beispiel Nomen-Memory, Scrabble, Wort-Kniffel).
  • Die Lernmotivation Ihres Kindes wecken und Fleiß und Mühe anerkennen.
  • Lesen ist wichtiger als Rechtschreiben: Die Lesekompetenz Ihres Kindes ist für den Wissenserwerb in allen Fächern wichtig.

Lerntipps bei Legasthenie

Stimmen Sie sich hier in jedem Fall zuvor mit Fachleuten/Lerntherapeuten ab, ob das Üben in der Familie sinnvoll ist. Wenn es die Familiensituation oder das Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Kind belastet, sollten Sie die Lese-Rechtschreib-Förderung an Außenstehende abgeben. Wenn Sie jedoch als Co-Therapeut mit Ihrem Kind täglich üben, sind folgende Aspekte wichtig:

  • Stimmen Sie sich über die Details und Ihr Vorgehen eng mit den Lehrern und Therapeuten ab.
  • Sie brauchen ausreichend Zeit für das regelmäßige Üben über einen längeren Zeitraum.
  • Vermeiden Sie Drucksituationen, Gewissensbisse oder ein belastete Atmosphäre zwischen Ihnen und Ihrem Kind.
  • Nutzen Sie geeignete Lernsoftware.

Lernmethode und Struktur

Suchen Sie gemeinsam die Lernstrategie aus, die zu Ihrem Kind passt. Behutsam angeleitet kann es seine eigene Lernsituation durch bestimmte Methoden verbessern und Selbstvertrauen in seine Stärken entwickeln.

  • Üben in überschaubaren Stoff- und Zeiteinheiten: Überforderung frustriert und schadet langfristig der Lernmotivation.
  • Verwenden Sie Farben: zum Hervorheben, Strukturieren und Kennzeichnen (zum Beispiel Textmarker, Buntstifte).
  • Nutzen Sie Lautgebärden beim Einüben von Buchstaben und beim Buchstabieren von Wörtern.
  • Karteikästen anlegen: etwa für schwierige Wörter.
  • Beim Lernen die Sinne und Hilfsmittel nutzen: Sehen, Hören, Sprechen, Schreiben. Zum Beispiel lautes Mitsprechen von Geschriebenem, Visualisierung von Zahlen durch Mengen-Bilder, Mitschreiben von Gehörtem, Nachsprechen von Gehörtem.
  • Beim Üben von Diktaten nur mit einzelnen Wörtern oder kurzen Sätzen beziehungsweise Texten arbeiten: keine Überforderung mit langen Texten.

Lesen

  • Lassen Sie Ihr Kind zuerst Wort für Wort, später Satz für Satz laut lesen.
  • Stets neue Texte verwenden, gerade jüngere Kinder lernen schnell auswendig. Überlassen Sie Ihrem Kind die Auswahl des Lesestoffs (bis hin zum Comic), denn hier geht es auch um Motivationsaufbau.
  • Texte mit großen Buchstaben und breiten Abständen zwischen den Wörtern und einzelnen Buchstaben können das Lesen erleichtern. E-Book-Reader können hilfreich sein, da sich hier oft die Textpräsentation einstellen lässt.
  • Das Textverständnis überprüfen, Fragen zum Inhalt stellen.
  • Lesen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und dabei laut vor.

Legasthenie und Fremdsprachen

Fremdsprachen stellen Legastheniker vor neue Probleme. Machen Sie sich die Neugier und die Motivation Ihres Kindes zunutze. Englischsprachige Bücher im jeweiligen Wortschatz-Niveau, gute Lernsoftware oder ein Sprachaustausch können den Lerneifer unterstützen.

  • Goldene Regel auch hier: lesen können (und damit Wissensaufnahme) kommt vor Rechtschreibung.
  • Die Bedeutung, die Aussprache und die Rechtschreibung einer neu zu erlernenden Vokabel gleichzeitig verinnerlichen.
  • Strukturiertes Arbeiten, spielerisches Lernen, Einsatz der Lautgebärdensprache und das Lesen von unbekannten Texten sind wichtige Eckpunkte für das Sprachtraining.
  • Lassen Sie Ihr Kind häufig deutlich und langsam sprechen und die Vokabeln buchstabieren und sprechen, wie sie geschrieben werden. Verwenden Sie keine Abkürzungen (nicht I'm, sondern I am).
  • Täglich zehn Vokabeln üben und freie Sätze bilden. Legen Sie gemeinsam eine Struktur für die Arbeit mit dem Englisch-Buch fest (zum Beispiel erst die Grammatik-Seite, dann die Übungen).