Wesentliches für eine gute Therapie
Legasthenie oder andere Ursachen?
An erster Stelle steht eine umfassende Diagnostik, denn eventuell gibt es andere Ursachen für die Lese-/Rechtschreibschwierigkeiten und das Kind hat gar keine Legasthenie. Für jedes Kind muss dann ein individuelles Therapie- und/oder Förderkonzept erstellt werden. Bei manchen Kindern sind vielleicht zusätzlich medizinische Hilfen notwendig, wie z.B. eine Seh- oder Hörhilfe. Als Beispiel sei angeführt, dass es ein Kind mit einer Hörschwäche sehr schwer hat, Wörter richtig zu verstehen - unabhängig von der Legasthenie. Hier steht an erster Stelle die medizinische Versorgung mit einer Hörhilfe, bevor mit einer Therapie begonnen wird.
Warum müssen Legastheniker besonders gefördert werden?
Für alle legasthenen Kinder gelten die gleichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie. Legastheniker leiden an einer Teilleistungsstörung, die durch eine hirnfunktionale Störung verursacht wird. Die Probleme liegen im visuellen Bereich und/oder auditiven Bereich, d.h. an einer Störung im Bereich der Seh- und Hörverarbeitung im Gehirn. Das Kind braucht keine Brille oder eine Hörhilfe, sondern es geht um die hirnfunktionale Verarbeitung, die bei Legasthenikern in diesen Bereichen beeinträchtigt ist. Deswegen sind klassische Nachhilfeangebote auch wenig hilfreich, sondern es sollte eine spezielle Legasthenietherapie erfolgen. Andere erschwerende Probleme wie z.B. ADHS können hinzukommen und müssen zusätzlich therapiert werden.
Wie sollte eine effiziente Förderung aussehen?
Legastheniker müssen lernen, konsequent ihr Defizit aufzuarbeiten, die Lesekompetenz zu stärken und die Rechtschreibung Schritt um Schritt logisch aufzubauen. Damit können sie dann auch nach Jahren noch unbekannte Wörter aufschlüsseln und versuchen, nach den Regeln zu schreiben. Auch Legastheniker müssen das Lesen und die Rechtschreibung lernen. Dazu brauchen sie jedoch andere Ansätze als der herkömmliche Schulunterricht sie anbietet. Therapieformen, die diesen konsequenten Weg einschlagen und den Kindern wirklich aufbauend die Lesefertigkeiten und die Rechtschreibung vermitteln, sind auch auf Dauer nachweislich für Legastheniker eine Hilfe.
Rechtschreibung und Lesen lernt man nur durch "Schreiben und Lesen"!
Jede Therapieform, die auf eine kurzfristige Auftrainierung des Hör- oder Seh-Verständnisses basiert, ist meist wenig hilfreich. Therapiert man beispielsweise durch Spiele an elektronischen Geräten oder Musikeinspielungen über Kopfhörer oder auch Darstellung von Begriffen durch Bastelarbeiten, erreicht man vielleicht kurzfristig einen kleinen Erfolg in Teilbereichen. Bei allen diesen Therapieformen ist langfristig leider keine Zunahme der Rechtschreibfähigkeit festzuhalten.
Realistische Erwartungen vermeiden unnötige Enttäuschungen!
Ganz wichtig bei der Auswahl von Therapien ist, dass man die Ziele nicht zu hoch steckt. Aus der nun über 30jährigen Erfahrung im BVL wissen wir, dass unseren betroffenen Kindern geholfen werden kann, besser mit der Legasthenie umzugehen. Es gelingt viele Bereiche abzusichern, aber das Kind muss auch lernen, seine Teilleistungsschwäche anzunehmen, denn sie wird den betroffenen Schüler die ganze Schulzeit und auch noch bis ins Erwachsenenalter begleiten. Daher sind alle Therapieformen, die eine kurzfristige Hilfe versprechen, kritisch zu hinterfragen.
Wir empfehlen Therapieansätze nach:
- Küspert / Schneider / Plume: Hören, lauschen, lernen I und II
- Forster / Martschinke: Leichter lernen und schreiben lernen mit der Hexe Susi
- Dummer/Hackethal: Kieler Lese- bzw. Rechtschreibaufbau
Weitere Informationen zum Kieler Leseaufbau - Kossow: Lautwortoperationsverfahren
Weitere Informationen zur LRS-Therapie nach Kossow - Reuter-Liehr: Lautgetreue Lese-Rechtschreibförderung
Weitere Informationen zum Konzept der Lautgetreuen Lese-Rechtschreibförderung - Schulte-Körne: Marburger Rechtschreibtraining
Eher kritisch betrachten wir:
- Funktionstrainings
- Alternativverfahren (z.B. Kinesiologie, Bachblüten, ...)
- Trainings zur Verbesserung der Raum-Lage-Labilität
- Training der visomotorischen Koordination
- Training der Koordination der Hemisphären (Edu-Kinestetik)
- Psychomotorisches Training
- Kybernetische Methode
- Taktil-kinästhetische Methode
- Neurolinguistisches Programmieren (NLP)

