Allgemein
Therapie und Fördermaßnahmen sollen dem Kind ermöglichen, mit seinen Schwierigkeiten besser umzugehen.
Alle Maßnahmen sollten mit den Lehrern bzw. Therapeuten abgestimmt sein. Üben bringt nicht den gewünschten Erfolg, da das Kind über die Kenntnisse, die es einüben könnte, nicht verfügt. Eine detaillierte Diagnostik der vorhandenen Kenntnisse zeigt die Stelle auf, an der das Kind bereits nicht mehr auf die Inhalte der Mathematik zurück greifen konnte. Die Mathematik baut Stufe für Stufe auf, so dass auf die Stufe zurück gegangen werden muss, auf der das Kind stehen geblieben ist. So gesehen bedeutet „Üben“ einen belastenden Kraftakt, der den Familienfrieden ernsthaft gefährdet und der nicht von Erfolg gekrönt sein wird.
Eltern können ihren Kindern nur helfen, wenn sie das Problem ihres Kindes in seiner Tragweite verstehen und akzeptieren. Druck, Frustration und schlechtes Gewissen gefährden eine erfolgreiche Zusammenarbeit und Eltern sind als (Co-)Therapeuten wenig geeignet - das müssen sie auch nicht. In diesem Fall ist es wirklich besser, die Rechen-Förderung an Außenstehende abzugeben und dem Kind innerhalb der Familie den Rücken zu stärken, indem es einfach angenommen und geliebt wird, so wie es ist. Hilfe bei der Suche nach der richtigen außerschulischen und außerhäuslichen Förderung können Ihnen die Ansprechpartner in unseren Landesverbände geben.
Im Folgenden erhalten einige Tipps, wie Sie helfen können. Mehr Informationen erhalten Sie als Mitglied in der vierteljährlichen Mitgliederzeitschrift und im Mitgliederbereich.
Wie können Eltern helfen?
Zunächst einmal ist es wichtig, dass man dem Kind die Dyskalkulie erklärt und ihm somit das Gefühl des Versagens nimmt. Dann muss es verstehen, dass es lernen kann, seine eigene Lernsituation zu verbessern. Die Überforderungs- Versagens-Spirale darf zu Hause nicht fortgesetzt werden.
- Stellen Sie keine kurzfristigen Erfolge in Aussicht sondern bereiten Sie Ihr Kind darauf vor, dass seine Bemühungen langfristig angelegt sein müssen.
- Loben Sie Erfolge, fokussieren Sie nicht die Misserfolge. Wecken Sie die Lernmotivation Ihres Kindes und erkennen Sie Fleiß und Mühe an, auch wenn zunächst nur kleine Lernfortschritte erzielt werden.
- Ihr Kind braucht Selbstvertrauen! Finden Sie gemeinsam seine Stärken heraus und setzen diese in den Mittelpunkt.
Schule
Das Rechnen-Lehren ist zunächst einmal Aufgabe von Schule. Der Bildungsauftrag und somit die Verpflichtung, unseren Kindern das Rechnen beizubringen, ist von Rechts wegen dort angesiedelt. Schwierigkeiten beim Erlernen sollten daher dort bemerkt und aufgegriffen werden. Gemeinsam mit den Eltern sind Förderhilfen für das rechenschwache Kind zu suchen und umzusetzen. Außerschulische Fördermaßnahmen und –therapien haben nur dann Erfolg, wenn ein enger kooperativer Schulterschluss zwischen Schule, Eltern und therapeutischer Einrichtung gewährleistet ist.
Leider hat die Kultusministerkonferenz (KMK) auch im Jahr 2007 keine Grundsätze zur schulischen Förderung bei Rechenschwierigkeiten konzipiert und heraus gegeben. Die Rechenstörung findet keine Berücksichtigung – ein Missstand, den wir als BVL deutlich beklagen. Dennoch haben mittlerweile einzelne Bundesländer (Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, .. ) erkannt, dass Kinder mit einer Dyskalkulie ebenfalls dringend schulische Nachteilsausgleiche benötigen. Die rechtlichen Grundlagen der einzelnen Länder lassen sich jedoch meist in den regulären Verwaltungsvorschriften finden, weniger in speziellen Erlassen.
Wir bitten Sie daher bei Fragen zur schulischen Regelung direkt mit dem entsprechenden Landesverband Kontakt aufzunehmen, da die Vorschriften in den einzelnen Bundesländern nicht einheitlich geregelt sind.
Förderprogramme für einzelne Kinder werden, der Gesamtsituation angepasst, individuell zusammengestellt, je nachdem, welche Störungen vorliegen, wie schwer sie sind, wie der Entwicklungsstand in der mathematischen Kompetenz und das Alter des Kindes ist und welche kombinierten weiteren Störungen vorliegen (z.B. hyperkinetische Störung).
Tipps für die Schulsituation:
Machen Sie sich stark für Ihr Kind, halten Sie den Dialog mit der Schule, sorgen Sie dafür, dass Ihrem Kind Verständnis entgegengebracht wird und fordern Sie Hilfen ein, die Ihrem Kind die Lernsituation erleichtern! Es gibt hierzu eine Reihe von einfach durchsetzbaren Maßnahmen:
Das Kind sollte möglichst vorne sitzen, am besten frontal zur Tafel, damit es so wenig wie möglich abgelenkt wird, genau wahrnehmen kann und seine Situation besser von der Lehrkraft beobachtet werden kann.
Es sollte nur freiwillig vorrechnen oder an die Tafel gehen müssen. Solche Situationen sind für rechenschwache Kinder sehr belastend, sie fühlen sich leicht vorgeführt.
Für die Hausaufgaben können Sonderregelungen vereinbart werden: nur nützliche, erfüllbare Aufgaben helfen weiter. Sinnvoll ist ein Zeitlimit, unabhängig davon, ob die Hausaufgaben fertig sind.
Der individuelle Lernfortschritt sollte gelobt werden, auch wenn es sich dabei um objektiv kleine Erfolge handelt.
Klassenarbeiten sollten mit Maschinen geschriebenen, übersichtlichen Arbeitsblättern durchgeführt werden, die Platz für Nebenrechnungen und mögliche Zeichnungen vorsehen. Die Korrekturen sollten dezent sein (kein 'rotes Blatt'), die Bemerkungen anerkennend und ermutigend.
Ein Nachteilsausgleich kann auch sein, dem Kind mehr Zeit für einen Test zu geben (z.B. die Pause noch dazu).
Gute Schulnoten sind nicht so wichtig wie das seelische Gleichgewicht eines Kindes. Dazu gehört, dass das Kind die für sein Intelligenzniveau passende Schulart besuchen kann. Derzeit bestehen nur in wenigen Bundesländern schulrechtliche Möglichkeiten um auf Kinder mit Rechenschwierigkeiten angemessen reagieren zu können. Der BVL und seine Landesverbände kämpfen um eine bundesweite Anerkennung und entsprechende Vorschriften, die Dyskalkulikern eine adäquate Schullaufbahn ermöglichen.
Wichtig für das Kind ist jedoch an erster Stelle die Unterstützung durch ein liebe- und verständnisvolles Elternhaus, damit es sich wie alle anderen Kinder in seiner Persönlichkeit gut entwickeln kann.
Für Eltern ist es daher wichtig, sich darauf zu konzentrieren, die Stärken ihres Kindes zu fördern und ihm jede mögliche Hilfestellung zu geben.
Therapie
Finanzierung einer Dyskalkulie-Therapien
Wenn Eltern erfahren, dass ihre Kinder von Dyskalkulie betroffen sind, gehen sie zunächst davon aus, dass ihr Kind in der Schule gefördert wird und eine darüber hinausgehende Therapie von den Krankenkassen übernommen wird. Ungläubig stellen viele dann fest, dass die Schulen nicht angemessen fördern (können) und dass die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen.
Eine Kurzinformation zur Finanzierung von Therapien erhalten Sie hier.
Weiterführende Informationen gibt es im Ratgeber, den Sie als Mitglied kostenlos im Mitgliederbereich finden. Nicht-Mitglieder können den Ratgeber als Informationsmaterial bestellen.
Zusätzliche Förderung erfolgt häufig durch außerschulische private Anbieter, die aufgrund der hohen Nachfrage zunehmen. Wirksamkeit der Therapie sowie Qualifikation der Therapeuten sind bedeutsame Punkte von Rat- und Hilfesuchenden.
Bislang gibt es weder den Ausbildungsberuf zum "Dyskalkulie-Therapeuten" noch einen Schutz eines solchen Berufsbildes.
Derzeit tätige Therapeuten verfügen in der Regel über ein abgeschlossenes Hochschulstudium mit den Kernfächern Pädagogik, Mathematik und/oder Psychologie. An außerschulische Fördereinrichtungen sollten strenge Qualitätskriterien angelegt werden, um sicher zu stellen, dass das grundlegende mathematische Missverstehen analysiert und geklärt wird und um zu gewährleisten, dass das Kind lernt, die klaren Inhalte der Mathematik zu verstehen, d.h. die arithmetischen Grundlagen zu erwerben.

