Im Jahr 1974 befanden sich Eltern von Legastheniker/Dyskalkuliker-Kindern in ähnlicher Situation, aus der Sie sich heute an diese Homepage wenden. Es gab damals keine Möglichkeit, für dieses Problem Unterstützung zu bekommen. Legasthenie und Dyskalkulie waren nicht bekannt, geschweige denn anerkannt.
Die Gründung einer Selbsthilfegruppe schuf die Möglichkeit des Austausches, Ärzte, Wissenschaftler und Forscher wurden hinzugezogen, um eine fundierte Basis zu schaffen, das Problem Legasthenie zu definieren, zu erforschen und Therapie- und Förderansätze zu finden.
In den folgenden Jahren entwickelte sich aus einer größer werdenden Vereinigung von betroffenen Eltern eine starke Lobby für Kinder, welche trotz hoher Lernmotivation und Intelligenz zu schulischen Versagern gestempelt wurden.
Systematisch wurden die wichtigsten Säulen der Verbandsarbeit geschaffen, deren Zielsetzung es war und immer noch ist, die Rahmenbedingungen von Legasthenikern und Dyskalkulikern in Schule, Ausbildung und Berufsleben zu verbessern:
Lobbyarbeit:
Als starke Gruppe, die sich über den Bundesverband organisiert, fordern Betroffene über ihre Mitgliedschaft ihre Anerkennung ein. Als Interessenvertretung erarbeitet sich der BVL über die Landesverbände politische Einflussnahme in Ministerien, Schulen und Bildungseinrichtungen und erwirkt die Schaffung von Erlassen, Verwaltungsvorschriften und deren Umsetzung. Als weiteres Ziel fordert er demzufolge auch die Bereitstellung der dafür notwendigen finanziellen Mittel. Mit einer starken Öffentlichkeitsarbeit schafft der BVL das Bewusstsein für die Problematik und somit die Voraussetzung für die Akzeptanz von Legasthenikern und Dyskalkulikern in der Gesellschaft.
Anlaufstelle für Betroffene:
Über die Website, regelmäßige Mitgliederinfo durch die BVL-Verbandszeitschrift, Verbandsinformationen, Broschüren und die Beratungsstellen der Landesverbände können Legastheniker und Dyskalkuliker umfassend Rat und Hilfe erhalten. Darüber hinaus stellt der BVL in einer reichhaltigen Datenbank detaillierte Fachinformationen und Adressen zu einzelnen Problembereichen bereit. Berichte über Fachtagungen und Kongresse ergänzen dieses Angebot.
Wissenschafts-Forum:
Bereits seit dem zweiten Jahr seines Bestehens gibt es eine enge Zusammenarbeit des BVL mit Hochschulen und Universitäten. Mittlerweile sind der BVL und die LVL regelmäßig Träger von Kongressen und Fachtagungen. Reger fachlicher Austausch über die Phänomene Legasthenie und Dyskalkulie findet heute bereits auf internationaler Ebene statt. Wie keine andere Institution verfügt der BVL gebündelt über derart umfassendes Wissen und kann daher kompetent für die Interessen der Betroffenen eintreten. Der wissenschaftliche Beirat ist seit Beginn eine feste Instanz im BVL und sichert seine hohe Beratungsqualität.
Entwicklung von Diagnose-, Therapie- und Fördermöglichkeiten:
Der wissenschaftliche Beirat des BVL stellt sicher, dass der BVL in seiner Beratung auf dem aktuellen wissenschaftllichen Stand von Diagnose, Therapie und Förderung ist. Es ist ganz entscheidend, das Angebot kritisch zu hinterfragen, um den Betroffenen auch eine erfolgreiche Unterstützung zuteil werden zu lassen. Wir beraten Sie hier gerne. Der BVL und die LVL pflegen zusätzlich einen regen fachlichen Austausch mit Wissenschaftlern, Ärzten, Schulpsychologen, Beratungs- und Förderlehrern und schafft die Grundlagen für eine kompetente Weiterbildung interessierter Schulen.
Nachteilsausgleich:
Die nicht verschuldeten Defizite der betroffenen Schüler sollen durch einen Nachteilsausgleich aufgefangen werden. Damit will der BVL erzielen, dass diese Kinder in ihren Schulen nicht länger diskriminiert und aussortiert werden. Eingliederung und Anerkennung sollen eine ganz normale Bildungslaufbahn mit adäquaten Abschlüssen bis hin zu einem integrierten Berufsleben ermöglichen. Defizite im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen dürfen nicht länger der Grund dafür sein, dass die Betroffenen keine ihrem Potenzial entsprechende Ausbildung erhalten! Der BVL setzt sich daher massiv für innovative, anforderungsgerechte und zukunftsorientierte Bildungsansätze ein, die diesen Forderungen gerecht werden.
Schutzmaßnahmen:
Der Nachteilsausgleich alleine reicht bei vielen Legasthenikern nicht aus und muss durch zusätzliche Schutzmaßnahmen erweitert werden.
Schutzmaßnahmen, vor allem in Form des Notenschutzes, sind zu gewähren, um die legastheniebedingten Nachteile auszugleichen:
- Die Lese-Rechtschreibleistung darf sich in keinem Fach mindernd auf die Bewertung der Leistung auswirken.
- Stärkere Gewichtung der mündlichen Leistungen gegenüber den schriftlichen Leistungen bei der Festsetzung der Noten.
- Die Beeinträchtigung der Lese-Rechtschreibleistung darf den Übertritt an eine weiterführende Schule oder das Erreichen des Klassen- bzw. Ausbildungsziels nicht erschweren oder verhindern.

